Stolberger Schwimmverein 1910 e.V. verliert sein Vereinslokal

Mit Bedauern müssen wir mitteilen, dass unser beliebter Vereinstreff, das Bistro "Sunrise" direkt an der Schwimmhalle Glashütter Weiher, Ende Juni 2016 ersatzlos geschlossen werden musste. In den Räumlichkeiten befinden sich ab Herbst 2016 die Trainingsräume des Fitnessstudiobetreibers "Actic-Fitness".
Der Vorstand des Stolberger Schwimmverein 1910 e.V. bedankt sich im Namen seiner Mitglieder und aller Freunde des Vereins herzlich bei den Bistro-Betreibern Ilona und Willi Mehlkopf und ihrem Team für sechs Jahre Loyalität und gute Zusammenarbeit sowie für die Ausrichtung der Wasserballpartys und für viele gesellige Stunden in freundlicher Atmosphäre, bei denen für das leibliche Wohl der Zuschauer und Aktiven immer gesorgt war.

Fitnessstudio verdrängt mit Schließung des Bistro "Sunrise" Vereinskultur aus Münsterbusch

In den sozialen Netzwerken rührt der Fitnesstudiobetreiber schon seit einigen Monaten kräftig die Werbetrommel und lockt neue Kunden mit um 50% vergünstigten Vorab-Vertragsabschlüssen. Dies scheint offensichtlich notwendig zu sein, denn der online veröffentlichte regulärere monatliche Mitgliedsbeitrag des Unternehmens übersteigt den der örtlichen Fitness-Studios um ein Vielfaches.
Offensichtlich rechnet man damit, dass die Stolberger trotz relativ unflexibler Öffnungszeiten (z.B. von 9-18 Uhr am Wochenende) in den neuen Fitnesstempel strömen werden, der noch im Herbst eröffnen soll. Zur Zeit ist es noch schwer vorstellbar für die regelmäßigen Nutzer des Hallenbades, dass dort in wenigen Wochen schon die Gäste des Fitnessstudios ein- und ausgehen werden. Den potentiellen neuen Kunden des Fitnessstudios hingegen enthält man die Information vor, dass sie an einigen Tagen bedingt durch Schulschwimmen und Vereinstrainingszeiten das Hallenbad nur sehr eingeschränkt bzw. nur in den frühen Morgenstunden nutzen werden können.
Obwohl das Bistro „Sunrise“ auf Grund der Entscheidung der Stadt für die Umgestaltung durch den Fitnessstudiobetreiber bereits Ende Juni unter massivem Zeitdruck geschlossen werden musste, haben die Bauarbeiten dort dennoch erst Anfang des Monats langsam begonnen. Nachdem die Bistrobetreiber Ilona und Willi Mehlkopf innerhalb von wenigen Tagen Ende Juni die Räumung der Lokalität bewerkstelligen mussten, lagen die Räumlichkeiten anschließend noch drei Monate lang brach.
Wo Schulkinder während des Ferienschwimmens in den vergangenen Jahren noch Getränke, Eis und Pommes zu zivilen Preisen erwerben konnten, herrschte in den diesjährigen Sommerferien über lange Wochen nur gähnende Leere statt geschäftiger Gastronomie. Großeltern und Eltern, die ihren Kindern während des öffentlichen Badebetriebs oder während der Vereinsstunden zusehen möchten, stehen schon lange vor verschlossenen Türen.
Einige Mütter, die beim Betreiber anfragten, ob es möglich sei, nach Eröffnung des Fitnessstudios während der Vereinsstunden des Stolberger Schwimmvereins ihren Kindern bei einem Kaffee aus den Räumlichkeiten des Fitnessstudios beim Schwimmen zuzusehen, erhielten die lapidare Antwort der Verantwortlichen, dass das Trinken von Kaffee nicht zur Trainingsphilosophie „Eine gesündere Gesellschaft durch Training“ passe und daher nicht möglich sei. Hierbei entging den geschäftseifrigen Unternehmern wohl der soziale Hintergrund der gestellten Frage. Wenn seitens des Betreibers die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen würden, das gesellige Beisammenssein, das ein wesentlicher Bestandteil des örtlichen Vereinsleben ist, wenigstens eingeschränkt fortführen zu können, würden die Mitglieder und Freunde der Vereine sicherlich auch den Kaffee gegen einen Mineraldrink tauschen. Offensichtlich fehlt es hier aber deutlich an Sensibilität im Umgang mit den Stolberger Bürgern und einzig der Profitgedanke steht klar im Vordergrund.
Nach einer solchen Reaktion kann man sich noch schwerer an den Gedanken gewöhnen, dass die Räumlichkeiten, wo das liebevoll geführte Bistro seit Juli 2010 Kindergeburtstage, Vereinsversammlungen, Wasserballpartys, Tanzveranstaltungen sowie Karnevals- und Weihnachtsfeiern ausrichtete und geselliges Beisammensein nach dem Schwimmsport in familiärer Atmosphäre ermöglichte, in den nächsten Wochen von den Finessgeräten der schwedischen Kette eingenommen werden. Das Team des Bistros hatte sich Ende Juni mit einer Abschiedsparty, auf der ein letztes Mal bis spät in die Nacht gefeiert wurde, von Vereinsmitgliedern und langährigen Gästen schweren Herzens verabschieden müssen. Der ehemaligen Bistro-Betreiberin Ilona Mehlkopf wurde leichtfertig die Existenzgrundlage genommen und den vielen, ehemaligen Gästen des Bistro „Sunrise“, darunter gemeinnützige Gruppierungen wie die DLRG-Ortsgruppe und der Stolberger Schwimmverein 1910 e.V., fehlt auch drei Monate nach der Schließung noch ein Ort, um die Vereinskultur fortleben zu lassen.
Mit der Durchsetzung ihrer finanziellen Interessen durch den Zuschlag an den Investor hat die Stadt Stolberg einen über mehr als sechs Jahre gewachsenen Dreh- und Angelpunkt der Vereinskultur und des sozialen Lebens im Ortsteil Münsterbusch unwiederbringlich zerstört. Damit müssen sich die vielen betroffenen Ehrenamtler und Aktiven nun widerwillig abfinden. Obwohl sie es sind, die Woche für Woche ihre Freizeit aufwenden, um unentgeltlich Kindern mit verschiedensten sozialen und kulturellen Hintergründen das Schwimmen lehren, die soziale und sportliche Integration auf verschiedenen Ebenen leisten und ihre Heimatstadt in sportlichen Wettkämpfen überregional repräsentieren, gesteht die Stadt Stolberg ihnen hier offensichtlich in kleinster Weise ein Mitspracherecht zu. Zwar wurde durch den Bürgermeister zumindest zugesichert, dass der Zutritt zum Hallenbad den Kunden des Fitnessstudios während der Vereinszeiten verwehrt bleibt, jedoch gab es kein Entgegenkommen der Stadt einen gleichwertigen Ersatz in Form eines neuen, bewirtschafteten Vereinslokals für die betroffenen Vereine zu schaffen. Lediglich ein kleiner Nebenraum der Turnhalle ohne jegliche gastronomische Anbindung darf kostenfrei für Sitzungen, jedoch ausdrücklich nicht für Feiern, genutzt werden. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Verprellung der Vereine für die Stadt auch gelohnt hat, denn wenn die Unternehmensphilosophie nicht aufgeht und die Lokalität in wenigen Monaten wieder im Leerstand endet, wäre die Schließung des Bistros vielleicht umsonst gewesen.